Depression im Lockdown

Depressionen im Lockdown:
Zeit, zu handeln

2020 hat viele von uns an ihre Belastungsgrenze gebracht – einige sogar darüber hinaus. Je länger die Corona-Pandemie andauerte, desto stärker rückten auch die Folgen für die Psyche ins Zentrum der Diskussionen. Öffentlich darüber zu sprechen, war ein erster wichtiger Schritt. Jetzt gilt es aber auch, die Patienten in der Praxis gezielt zu erkennen und zu behandeln.

Lesedauer ca. 3 Minuten

Corona: Stress-Test für die Psyche

In der NAKO-Gesundheitsstudie wurden 113.928 Teilnehmer zwischen 20 und 74 Jahren im Frühjahr 2020 zu ihrem selbsteingeschätzten Gesundheitszustand befragt. Die Teilnehmer nahmen bereits 1 – 5 Jahre zuvor an einer Basisuntersuchung teil.

Die Ergebnisse zeigen eine klare Zunahme psychosozialer Belastungen:1

Depression im Lockdown

Depressionen: Fehlende Tagesstruktur wird zum Teufelskreis

Noch stärker als die Allgemeinbevölkerung litten depressiv Erkrankte unter den Corona-Maßnahmen im Frühjahr 2020. Dies geht aus dem Ergebnis des Deutschland-Barometer Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe hervor. Befragt wurden 5.178 Personen zwischen 18 und 69 Jahren im Juni/Juli 2020:2

  • Drei Viertel der Depressions-Patienten litten unter der fehlenden Tagesstruktur. Fast die Hälfte blieb tagsüber länger im Bett liegen – der Beginn eines Teufelskreises. Denn eines der Merkmale einer Depression ist Erschöpfung, längere Bettzeiten können die Depression aber weiter verstärken.
  • Gut die Hälfte der Allgemeinbevölkerung konnte der Situation noch etwas Positives abgewinnen, wie z. B. den Frühling bewusster zu erleben. Bei depressiv Erkrankten war dies nur bei 38 % der Fall.
  • Knapp jeder zweite Depressions-Patient berichtete von ausgefallenen Behandlungsterminen, auch Klinikaufenthalte wurden teilweise abgesagt. Aus Angst vor einer Ansteckung, sagten 13 % der Patienten sagten einen Termin von sich aus ab.

Was bedeuten diese Daten für den Praxisalltag?

Depressionen und Angstsymptome haben auch in der Allgemeinbevölkerung zugenommen, vor allem bei jüngeren Erwachsenen und bei Frauen.1

  • Fragen Sie daher alle Ihre Patienten unabhängig vom eigentlichen Konsultationsgrund, wie es ihnen derzeit mental geht. Nur so können Sie mögliche Depressionen frühzeitig erkennen und gegensteuern.

Für depressiv Erkrankte ist die Corona-Pandemie eine besondere Belastung, in der sie vermehrt Unterstützung brauchen. Gleichzeitig werden aber viele Behandlungstermine abgesagt.

  • Um den Kontakt zu Ihren Patienten jetzt nicht zu verlieren, können Sie telemedizinische Angebote nutzen. Diese werden von der Mehrheit depressiv erkrankter Patienten positiv bewertet und gut angenommen.2 Aktuelle Informationen zur Umsetzung finden Sie z.B. auf der Website der KBV oder der DGPPN.

Über Sorgen und Ängste zu sprechen, ist immer ratsam. Manchmal reichen psychotherapeutische Maßnahmen aber nicht aus oder sind nicht verfügbar.

  • Warten Sie in diesen Fällen bei der Entscheidung für eine antidepressive Therapie nicht zu lange. Die Verordnung eines pflanzlichen Antidepressivums (hochdosierter Johanniskrautextrakt, z.B. Laif®900) kann eine Möglichkeit sein, Patienten den Therapieeinstieg zu erleichtern.

Multifaktorielle Genese der Depression – die Pandemie als Katalysator?

Bei der Pathogenese einer Depression wirken in der Regel verschiedene Aspekte zusammen. Genetische Faktoren, neurobiologische Prozesse und bestimmte Entwicklungs- und Persönlichkeitsfaktoren bilden die Basis. Isolation, Einsamkeit, Ausweglosigkeit, Ängste und Sorgen – Gefühle, die viele Menschen derzeit erleben – gelten als zusätzliche Risikofaktoren. Auch das Erleben von Stress kann zur Entstehung einer Depression beitragen3, vor allem dann, wenn er chronisch wird:

Chronische Überlastung

Ist der Kortisolspiegel z. B. durch chronische Überlastung und Stress dauerhaft erhöht, kann eine Dysregulation der physiologischen Stressantwort und schließlich auch eine Depression die Folge sein. Hier erfahren Sie, warum das neben der Entstehung auch für die Behandlung von Depressionen eine Rolle spielen kann. Jetzt lesen

Winterblues

Der zweite Lockdown fällt in den Winter und somit kann als weiterer Risikofaktor auch noch Lichtmangel dazu kommen.4 Momente der Antriebslosigkeit und kurze Stimmungstiefs während der dunklen Jahreszeit kennt jeder. Aber wann steckt mehr dahinter als „nur“ ein Winterblues? Jetzt lesen

Quellen:

  1. Peters A et al. COVID-19-Pandemie verändert die subjektive Gesundheit. Erste Ergebnisse der NAKO-Gesundheitsstudie. Dtsch Arztebl Int 2020;117:861-867.
  2. Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Deutschland-Barometer Depression: massive Folgen für die psychische Gesundheit infolge der Corona-Maßnahmen. Unter: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/forschungszentrum/deutschland-barometer/2020 (abgerufen am 08.12.2020)
  3. Neurologen & Psychiater im Netz. Corona-Krise: Depressive Erkrankungen können verzögert auftreten – dunkler Jahreszeit aktiv begegnen. Unter: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/ratgeber-archiv/meldungen/article/corona-krise-depressive-erkrankungen-koennen-verzoegert-auftreten-dunkler-jahreszeit-aktiv-bege/ (abgerufen am 14.12.2020)

Bildquellen:
Teaserbild: ©istockphoto.com/damircudic; Symbolbild mit Modellen
Beitragsbilder: ©istockphoto.com/jodo19, Roman_Kozhevnikov; Symbolbild mit Modellen

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