Antidepressiva

Antidepressiva bei kardiovaskulären Erkrankungen sicher verordnen

Eine Depression gilt einerseits als Risikofaktor für die Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung. Andererseits zeigen vaskulär Kranke ein erhöhtes Risiko, eine Depression zu entwickeln.1 Das Dilemma: Viele Antidepressiva sind für Herzpatienten ungeeignet. Bei welchen Medikamenten ist Vorsicht geboten?
Lesedauer ca. 2 Minuten

Schwere Last: Depression bei Herzinsuffizienz

Luftnot, Leistungsabfall, Müdigkeit: Herzinsuffizienz bedeutet für viele Betroffene eine massive Einschränkung der Lebensqualität.2 Etwa 15 %1 der Patienten mit einer chronischen Herzerkrankung weisen darüber hinaus auch eine depressive Symptomatik auf1 – verbunden mit einem fünffach erhöhten Risiko innerhalb von sechs Monaten zu sterben.3

Da eine gleichzeitig auftretende Depression scheinbar einen negativen Einfluss auf den kardialen Krankheitsverlauf nimmt, ist die Wahl der antidepressiven Behandlung bei herzinsuffizienten Patienten von großer Bedeutung.3

Viele Antidepressiva sind für Herzpatienten ungeeignet

Bei der Auswahl eines geeigneten Antidepressivums gilt es, mögliche unerwünschte kardiale Nebenwirkungen sowie potentielle pharmakokinetische und/oder pharmakodynamische Wechselwirkungen mit der weiteren Medikation weitgehend auszuschließen.1
Studien haben beispielsweise ungünstige Effekte von trizyklischen Antidepressiva (TZA) gezeigt:1 Aufgrund vielfältiger kardiovaskulärer Risiken, wie beispielsweise dem erhöhten Risiko für vegetative Nebenwirkungen sowie die Gefahr von Herzrhythmusstörungen und einer gesteigerten Infarkthäufigkeit, sollten „klassische“ TZA bei kardialer Komorbidität nicht verordnet werden.1

QT-Zeit-Verlängerung: Vorsicht bei SSRIs

Auch beim Einsatz von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) ist Vorsicht geboten: Die Rote-Hand-Briefe zu Citalopram und Escitalopram warnten vor dosisabhängigen QT-Zeit-Verlängerung im EKG bei KHK-Patienten.
Citalopram sollte laut der S3-Leitlinie/NVL Unipolare Depression nur mit Vorsicht bei Patienten mit Herzerkrankungen eingesetzt werden. Bei Patienten mit zusätzlich erhöhtem Risiko für eine QT-Zeit-Verlängerung besteht eine klare Kontraindikation.1

Kombination mit kardiovaskulären Wirkstoffen:
Was geht, was geht nicht?

Bei der Auswahl des geeigneten Antidepressivums bei kardiovaskulären Patienten sollten die möglichen Wechselwirkungen beachtet werden. Bluthochdruck-Patienten wird z.B. häufig der Betablocker Metoprolol verordnet. Bei der Komedikation von Metoprolol mit Antidepressiva können jedoch Wechselwirkungen auftreten. Beispielsweise sollte bei einer Verordnung von Citalopram beachtet werden, dass Citalopram durch die Inhibition von CYP2D6 zu einer verstärkten (kardiodepressiven) Wirkung bei Betroffenen führen kann.3

Einen kompakten Überblick, welche Kombination von häufig verordneten Antidepressiva mit Wirkstoffen zur Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen möglich ist, sehen Sie in der nachfolgenden Tabelle. Eine praktische Hilfe für Ihren Arztalltag finden Sie am Ende des Beitrages zum Download.

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Tabelle 1: Auswahl häufig verordneter Antidepressiva und Wirkstoffe zur Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen. Quellen: Rote Liste 2018, Gelbe Liste 2018; Fachinformationen; Lauer-Taxe 2018 (www.lauer-fischer.de); mediQ – Qualitätszentrum für Medikamentensicherheit und Diagnostik (www.mediQ.ch).

Hochdosierter Johanniskraut-Extrakt als Alternative?

Bei einer Betrachtung von möglichen Wechselwirkungen zeigt sich, dass viele Antidepressiva bei kardiovaskulären Patienten nur bedingt geeignet sind. Hinsichtlich der kardialen Sicherheit ist bei Johanniskrautextrakt (Laif®900), im Gegensatz zu einigen synthetischen Antidepressiva, keine QT-Intervall-Verlängerung bekannt. Zusätzliche EKG-Kontrollen sind daher bei den Patienten nicht zwingend notwendig.3

Eine gleichzeitige Medikation mit häufig verordneten kardiovaskulären Wirkstoffen, wie beispielsweise Metoprolol (Beta-Blocker) aber auch mit Ramipril (ACE-Hemmer) oder Candesartan (Sartan) ist möglich. Vermieden werden sollte jedoch eine Kombination von Johanniskraut mit dem Calcium-Antagonist Verapamil. Durch die CYP-450-Induktion kann es hierbei zu einer Wirkverminderung des komedizierten Arzneistoffes kommen.

Antidepressiva bei kardiovaskulären Erkrankungen sicher verordnen!

Einen Überblick über mögliche Wechselwirkungen bei der Kombination von Antidepressiva mit Wirkstoffen zur Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen finden Sie hier zum Download.

Quellen:

  1. DGPPN, BÄK, KBV, AWMF (Hrsg.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression. S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung, 2. Auflage. Version 5. 2015 [zuletzt aufgerufen am 02.04.2019]. DOI: 10.6101/AZQ/000364. www.depression.versorgungsleitlinien.de.

  2. Schwere Last: Depression bei Herzschwäche. Herzstiftungs-Experten informieren über Behandlungsmöglichkeiten, die Betroffenen und Angehörigen helfen. Pressemitteilung Deutsche Herzstiftung. 10.Dezember 2018.

  3. Hartmut R et al. Antidepressiva, Pharmakologische und klinische Aspekte, Dortmund: PsychoGen Verlag 2015.

  4. Schwabe U et al. Arzneimittelverordnungs-Report 2018. Springer-Verlag GmbH.

  5. Fachinformation Citalopram 1 A Pharma® 20mg. Stand: Juni 2014.

  6. Fachinformation Laif®900. Stand: Dez 2018.

Bildquelle: ©istockphoto.com/alexkich

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