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Meta-Analyse zu Johanniskraut

3 wichtige Ergebnisse für Ihre Therapieentscheidung

Johanniskraut gehört zu den am besten untersuchten pflanzlichen Arzneimitteln. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit bei Depressionen wurden u. a. in einem Cochrane-Review analysiert.1 Wie das pflanzliche Antidepressivum dabei abschnitt und welche 3 Kernaussagen Sie für die Praxis kennen sollten, lesen Sie hier.

Cochrane-Analyse untersucht Johanniskrautextrakte

Eine Meta-Analyse des internationalen, unabhängigen Cochrane-Netzwerks aus dem Jahr 2008 schloss 29 Studien mit insgesamt 5.489 Patientinnen und Patienten mit größtenteils leichter bis mittelschwerer Depression ein.1 In der Analyse sollte untersucht werden, ob Johanniskraut-Extrakte:

  • genauso wirksam sind wie Standard-Antidepressiva,
  • wirksamer sind als Placebo
  • und ob sie im Vergleich zu Standard-Antidepressiva weniger unerwünschte Nebenwirkungen aufweisen.1

Über die Cochrane-Analyse

Von den 29 eingeschlossenen Studien waren 18 Placebo-kontrolliert und in 17 wurden die Johanniskraut-Präparationen mit einem synthetischen Antidepressivum verglichen. Alle Studien waren doppelt verblindet. Aktive Vergleichssubstanzen waren Fluoxetin (6x), Sertralin (4x), Imipramin (3x), Citalopram (1x), Paroxetin (1x), Maprotilin (1x) und Amitriptylin (1x). Studienteilnehmende erhielten überwiegend 500 bis 1.200 mg Johanniskrautextrakt pro Tag. Die Studiendauer betrug zwischen 4 und 12 Wochen. In allen Studien wurden Skalen wie die Hamilton Depression Scale (HAMD) genutzt, um die Auswirkungen der Therapie zu beurteilen. Der Hauptanteil der eingeschlossenen Studien hatte eine hohe Qualität (Qualitätsmedian 5 von 5, Range 2 bis 5). Die Heterogenität der einzelnen Studien in der Metaanalyse war verhältnismäßig groß.1 Laut den Autoren könne dies u. a. auf die unterschiedlichen Johanniskraut-Präparationen sowie die jeweilige Genauigkeit der Studie, die Baseline-Werte zur Depression und auf das Land, in dem die Studie durchgeführt wurde, zurückgeführt werden.1

Standard-Antidepressiva & Johanniskrautextrakte vergleichbar wirksam

Um die Wirksamkeit der Johanniskraut-Extrakte im Vergleich zu Standard-Antidepressiva zu beurteilen, wurden die Ansprechraten beider Interventionen miteinander verglichen. Hierbei zeigte sich zwischen beiden Therapien kein Unterschied (Abb. 1.; Risiko-Verhältnis: 1,01 [95 %-KI: 0,93–1,09]).1

Johanniskratextrakte vs. Standard-Antidepressiva: Responder

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Abb. 1: Forest-Plot der gepoolten Risiko-Verhältnisse (Risk Ratio) der Ansprechrate. Die Wahrscheinlichkeit auf das Ansprechen der Behandlung war beim Vergleich der Johanniskraut-Präparate mit den synthetischen Antidepressiva nahezu identisch (modifiziert nach 1).

Johanniskrautextrakte wirksamer als Placebo

Auch die Analyse gegen Placebo zeigte eine sehr gute Wirksamkeit: Im Vergleich zu Placebo sprachen Patientinnen und Patienten mit einer 48 % größeren Wahrscheinlichkeit auf die Behandlung mit Johanniskraut an (Risiko-Verhältnis: 1,48 [95 %-KI: 1,23–1,77]).1

Bekannt gute Verträglichkeit von der Meta-Analyse bestätigt

Als Surrogatmarker für die Verträglichkeit wurden die Studienabbrechenden betrachtet, die aufgrund von Nebenwirkungen ausschieden. Die kumulierten Daten des Reviews zeigten Johanniskrautextrakte und Placebo unter diesem Aspekt auf einem ähnlichen Niveau, d. h. ohne statistisch signifikante Unterschiede.
Verglichen mit synthetischen Antidepressiva wurden hingegen signifikante Unterschiede deutlich und Johanniskraut war in puncto Verträglichkeit synthetischen Antidepressiva überlegen.1

Johanniskratextrakte vs. Standard-Antidepressiva: Abbrecher aufgrund von Nebenwirkungen

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Abb. 2: Forest-Plot der gepoolten Risiko-Verhältnisse (Odds Ratio) eines Studienabbruchs aufgrund von Nebenwirkungen. Die Wahrscheinlichkeit, die Studie aufgrund von Nebenwirkungen abzubrechen, war unter Johanniskraut-Extrakt deutlich geringer als unter synthetischen Antidepressiva (modifiziert nach 1).

Die wichtigsten Ergebnisse vom Experten zusammengefasst

Prof. Hans-Peter Volz, Ärztlicher Direktor Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck:2

„Eine Meta-Analyse stellt aus klinischer Sicht den höchsten Evidenzstandard dar. Im Fall von Johanniskraut hat sie 3 Dinge ganz klar gezeigt:

  • Erstens es gibt keinen Wirksamkeitsunterschied zwischen synthetischen Antidepressiva und Johanniskrautextrakten.
  • Zweitens, im Vergleich zu Placebo war die Odds Ratio in Bezug auf Therapie-Response ungefähr 1,5. Das heißt, 50 % mehr Patienten sprachen auf Johanniskrautextrakt an als auf Placebo, was eine sehr gute Wirksamkeit im Vergleich zu Placebo belegt.
  • Und, aber das wissen wir schon lange: Johanniskrautextrakte, hier gemessen an der an der Zahl der Patientinnen und Patienten, die wegen Nebenwirkungen die Therapie abbrachen, waren wesentlich besser verträglich als die synthetischen Antidepressiva.“

Über die größte klinische Studie der Meta-Analyse

Bei der größten in die Meta-Analyse eingeschlossenen Studie handelt es sich um eine klinischen Vergleichsstudie mit 388 Patienten mit mittelschweren Depressionen: In der STW3-VI-Gruppe waren 54,2 % der Patienten nach 6-wöchiger Studiendauer Therapie-Responder und zeigten einen gegenüber Placebo deutlich signifikanten Rückgang der Symptome.* Damit erweist sich das Phytopharmakon (900 mg/d per Einmalgabe) als ebenbürtig zu dem SSRI Citalopram (55,9 % bei 20 mg/d).  Zudem wurde ein signifikant besseres Verträglichkeitsprofil gezeigt.3

*Definition der Therapie-Response: Besserung der HAMD-Skala um 50 & bzw. Erreichen eines Punktewertes unter 10

Leitlinien-Update 2022: Johanniskraut-Empfehlung wurde präzisiert

Schon gemäß der Vorgängerversion der Leitlinie konnte Johanniskraut auch bei mittelgradigen depressiven Episoden eingesetzt werden. Diese Empfehlung wurde im aktuellen Update der S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ im Oktober 2022 mit einem entscheidenden Zusatz präzisiert:4

„Wenn bei mittelschweren depressiven Episoden eine medikamentöse Therapie erwogen wird, kann nach Aufklärung über spezifische Nebenwirkungen und Interaktionen ein erster Therapieversuch auch mit einem als Arzneimittel für diesen Indikationsbereich zugelassenen Johanniskrautpräparat angeboten werden.“

Diese Ergänzung der Zulassung als Arzneimittel für die Indikation der mittelschweren Depression wird damit begründet, dass nur wenige Präparate auch bei mittelschweren Depressionen verordnungsfähig sind.4 Die Zulassung impliziert, dass es nur für diese auch entsprechende Wirksamkeitsnachweise gibt.

Eines der 3 aktuell als Arzneimittel für mittelschwere Depressionen zugelassenen und GKV-erstattungsfähigen Präparate ist Laif®900.

Quellen:

  1. Linde K et al. St John's wort for major depression. Cochrane Database Syst Rev. 2008(4):CD000448.

  2. Bayer® Expertengespräch mit Prof. Hans Peter Volz und Dr. Andreas Plucinski, 2021.

  3. Gastpar M et al. Comparative Efficacy and Safety of a Once-Daily Dosage of Hypericum Extract STW3-VI and Citalopram in Patients with Moderate Depression: A Double-Blind, Randomised, Multicentre, Placebo-Controlled Study. Pharmacopsychiatry 2006; 39: 66-75.

  4. Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.0, 2022, AWMF-Register-Nr. nvl-005. https://www.leitlinien.de/themen/depression/version-3

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