Wenn Kinder nicht mehr leben wollen | Laif 900
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Wenn Kinder nicht mehr leben wollen

Druck in der Schule, Trennung der Eltern oder ein Todesfall in der Familie. All das kann bei Kindern und Jugendlichen der Auslöser für eine Depression sein. Doch im Gegensatz zu einem gebrochenen Bein oder einem schlimmen Husten, sind Depressionen nicht immer eindeutig zu erkennen. Wenn diese Symptome auftreten, sollten Sie bei Ihren kleinen Patienten genauer hinschauen.
Lesedauer ca. 3 Minuten

Wie zeigt sich eine Depression bei Kindern?

Die Symptome depressiver Kinder hängen vom Alter und vom Entwicklungsstadium, dem familiären Umfeld und den geistigen Fähigkeiten ab. Grundsätzlich gilt: Je jünger Kinder sind, umso eher klagen sie über körperliche Symptome, wie Kopf- oder Bauchweh. Jüngere Kinder können ihr Empfinden auch oft noch nicht so gut in Worte fassen – hier sollte daher verstärkt auf Mimik und Gestik, aber auch auf den Umgang mit anderen Kindern und ihr Spielverhalten geachtet werden.1, 2

Welche Symptome „typisch“ für bestimmte Altersgruppen sind, sehen sie in den nachfolgenden Abbildungen.

Kleinkind
  • vermehrtes Weinen
  • ausdrucksarmes Gesicht
  • leicht reizbar
  • überanhänglich, Kind kann schlecht alleine sein
  • selbst-stimulierendes Verhalten: Schaukeln des Körpers, exzessives Daumenlutschen
  • Teilnahmslosigkeit
  • Spielunlust oder auffälliges Spielverhalten
  • gestörtes Essverhalten (z.B. „Wiederkäuen“)
  • Schlafstörungen

Kleinkind (0-3 Jahre)

Abbildung 1: Symptome einer Depression bei
Kleinkindern (0-3 Jahre).1, 2

Vorschulkind
  • trauriger Gesichtsausdruck
  • verminderte Gestik und Mimik
  • leicht irritierbar, stimmungslabil, auffällig ängstlich
  • mangelnde Fähigkeit, sich zu freuen
  • Teilnahmslosigkeit und Antriebslosigkeit, introvertiertes Verhalten
  • vermindertes Interesse an motorischen Aktivitäten
  • innere Unruhe und Gereiztheit, zerstörerisches und aggressives Verhalten
  • Ess- und Schlafstörungen

Vorschulkind (3-6 Jahre)

Abbildung 2: Symptome einer Depression bei
Vorschulkindern (3-6 Jahre).1, 2

Schulkind
  • Sprechen über Traurigsein
  • Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten, verschlechterte Schulleistungen
  • Ängstlichkeit (Verlustangst, Zukunftsangst)
  • unangemessene Schuldgefühle und Selbstkritik („Ich bin so dumm“)
  • psychomotorische Hemmung (langsame Bewegung etc.)
  • Appetitlosigkeit
  • (Ein-) Schlafstörung
  • Suizidgedanken

Schulkind (6-13 Jahre)

Abbildung 1: Symptome einer Depression bei
Schulkindern (6-13 Jahre).1 ,2

Jugendlicher
  • vermindertes Selbstvertrauen, Selbstzweifel
  • Ängste, Lustlosigkeit, Konzentrationsmangel
  • Stimmungsschwankungen
  • Leistungsstörungen
  • Gefühl, sozialen und emotionalen Anforderungen nicht gewachsen zu sein
  • psychosomatische Beschwerden (z.B. Kopfschmerzen)
  • Gewichtsverlust
  • Schlafstörungen
  • Alkohol / Drogen-Konsum
  • Suizidgedanken / - versuch

Jugendlicher (ab 13 Jahre)

Abbildung 4: Symptome einer Depression bei
Jugendlichen (ab 13 Jahre).1, 2

Jugendliche haben 20-fach erhöhtes Suizidrisiko

Wenn alles zu viel wird und hoffnungslos scheint, sehen Depressive manchmal nur noch einen Ausweg: Suizid. Auch bei Kindern und Jugendlichen können solche Gedanken aufkommen. Selbstmorde sind im Kindesalter zwar noch sehr selten, zählen aber zu den häufigsten Todesursachen im Jugendalter. Jugendliche haben sogar ein bis zu 20-fach erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten. Mädchen und junge Frauen begehen Versuche am häufigsten, dennoch versterben Jungen im Vergleich bis zu dreimal so häufig durch einen vollendeten Suizid.2

„Mama, ich will nicht mehr Leben“

Depression bei Kindern war auch beim Kongress der Deutschen Depressionshilfe 2019 ein Thema, das alle Teilnehmenden zutiefst berührte.

Der mit dem 4. Deutschen Medienpreis der Depressionshilfe prämierte KiKA Beitrag „Phil und das Traurigsein“ zeigt das Leben des 11-jährigen Phils mit Depressionen.

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Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Da der betreuende Kinder- bzw. Hausarzt das Kind regelmäßig sieht und schon länger kennt, sind diese Ärzte meist die erste Anlaufstelle für betroffene Kinder und ihre Eltern. Die Behandlung sollte dann jedoch durch einen speziell ausgebildeten Kinder- und Jugendpsychiater bzw. -psychotherapeuten erfolgen.

Genauso wie Erwachsene mit einer Depression, brauchen auch die jüngeren Patienten Hilfe. Die Therapie von Depressionen bei Kindern sollte immer an den jeweiligen Entwicklungsstand und an die jeweilige Lebenssituation des Kindes angepasst werden (wie z. B Alter, schulisches und familiäres Umfeld). Da vor allem jüngere Kinder psychische Vorgänge noch nicht ausreichend reflektieren können, sind psychotherapeutische Maßnahmen eher problematisch. Erst später, beispielsweise ab dem Schulalter, ist eine verhaltenstherapeutische Behandlung sinnvoll. Wichtig ist dabei auch, immer die Eltern des Kindes mit einzubeziehen – ein gutes familiäres Umfeld ist für das Kind essentiell.1

Eine Behandlung bei Kindern und Jugendlichen kann folgende Bestandteile umfassen:

  • Alters- bzw. entwicklungsgerechte Aufklärung vom Kind und dessen Familie
  • Psychotherapie unter Einbezug der Familie/Bezugspersonen
  • Interventionen in der Familie zur Verminderung der Symptomatik und Verbesserung der familiären Beziehung
  • Ggf. medikamentöse Therapie

Einsatz von Antidepressiva bei Kindern

Der Einsatz von Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen wird bereits seit einigen Jahren erforscht. Eine Meta-Analyse im Fachmagazin „The Lancet“ betätigt, dass die meisten Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen mit Depressionen ein schlechtes Nutzen-Risiko-Verhältnis haben.3 Ausreichende Wirksamkeitsbelege gibt es bislang nur für den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Fluoxetin – der auch für Kinder und Jugendliche (ab 8 Jahren) zugelassen ist.1,4 Weitere Studien mit altersgruppenspezifischen Daten zur medikamentösen antidepressiven Behandlung bei Kindern und Jugendlichen sind notwendig.

Unterstützung für Ihre kleinen Patienten und deren Familie

Die Zeit in der Praxis ist meist eher knapp und viele Fragen ergeben sich bei den Familien auch erst zu Hause. Damit Dr. Google nicht überhandnimmt und Betroffene möglicherweise an falsche oder irreführende Informationen gelangen, können Sie den Jugendlichen und deren Familien die folgenden Internetseiten mit an die Hand geben.

FIDEO (Fighting Depression Online)

FIDEO (Fighting Depression Online) ist ein Online-Informationsangebot mit integriertem Diskussionsforum für junge Patienten ab 14 Jahren und ihre Familien zum Thema Depression.

FIDEO (Fighting Depression Online) 


[U25] Jugendliche helfen Jugendlichen

[U25] Jugendliche helfen Jugendlichen ist ein Online-Suizidpräventions-Programm der Caritas.

[U25] Jugendliche helfen Jugendlichen 


Nummer gegen Kummer

Nummer gegen Kummer ist eine Beratung (per Telefon oder E-Mail) für Kinder, Jugendliche und deren Familie von professionellen Beratern oder von Jugendlichen für andere Jugendliche.

Nummer gegen Kummer  

Quellen:

  1. Hegerl U, Niescken S. Depressionen bewältigen. Die Lebensfreude wiederfinden. Auflage 2013. TRIAS Verlag.

  2. Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Depression im Kindes- und Jugendalter. Online unter: https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in-verschiedenen-facetten/depression-im-kindes-und-jugendalter (zuletzt aufgerufen am 03.03.2020).

  3. Cipriani A et al. Comparative efficacy and tolerability of antidepressants for major depressive disorder in children and adolescents: a network meta-analysis. BMJ Open. 2018 Jan 5;8(1):e018357. Online unter: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(16)30385-3/fulltext (zuletzt aufgerufen am 03.03.2020).
  4. Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm® 20mg Tabletten. Stand: August 2014.

Bildquelle: ©istockphoto.com/Imgorthand

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