Therapieerfolg stabilisieren – Rückfall verhindern | Laif 900
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Therapieerfolg stabilisieren –
Rückfall verhindern

Eine Depression ist eine episodische Erkrankung, die mit einem hohen Rückfallrisiko verbunden ist. Wer einmal unter einer Depression leidet, wird mit 50 %iger Wahrscheinlichkeit auch ein 2. Mal darunter leiden.1 Das können Sie tun, um einem Rückfall bei Ihren Patienten vorzubeugen.
Lesedauer ca. 3 Minuten

Erhaltungstherapie senkt das Rückfallrisik

Die etwa 6-12 Wochen andauernde Akutbehandlung einer depressiven Episode hat zum Ziel, die Symptome zu lindern und eine möglichst weitgehende Remission zu erreichen. Die Krankheitsepisode ist jedoch auch bei Symptombesserung oder sogar Symptomfreiheit noch nicht vollständig überwunden.1 Wird die Behandlung zu diesem Zeitpunkt bereits beendet, steigt das Risiko für einen Rückfall. Daher soll gemäß der S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ auch bei vollständiger Remission eine Erhaltungstherapie auf die Akuttherapie folgen:1

  • Wurde in der Akutphase medikamentös behandelt, soll über einen Zeitraum von 4-9 Monaten mit der gleichen Dosis weiter therapiert werden. Erst dann ist eine schrittwiese Dosisreduktion sinnvoll.
  • Bei alleiniger psychotherapeutischer Behandlung in der Akutphase sollen über 8-12 Monate weiterhin Sitzungen mit niedrigerer Frequenz stattfinden.
  • Bei einer kombinierten Behandlung soll die medikamentöse Therapie in gleicher Dosis weitergeführt werden. Hat sich zudem die Psychotherapie als wirksam erwiesen, soll diese ebenso weitergeführt werden.

Phytotherapie kann die Bereitschaft zur Therapiefortführung steigern

Eine Herausforderung bei der medikamentösen Erhaltungstherapie kann die fehlende Bereitschaft von Patienten sein, Antidepressiva noch mehrere Monate lang einzunehmen, nachdem die Symptome bereits abgeklungen sind. Eine Therapie mit pflanzlichen Antidepressiva (hochdosierter Johanniskrautextrakt) kann in diesem Fall sinnvoll sein, denn die Akzeptanz für natürliche Arzneimittel ist oftmals größer als für chemische Präparate.1 Die Präferenz des Patienten für eine bestimmte Behandlungsform zu berücksichtigen, gilt im Rahmen der partizipatorischen Entscheidungsfindung als wichtiger Faktor für den Behandlungserfolg.1

Auf Frühwarnzeichen achten und rechtzeitig gegensteuern

Eine wiederkehrende Depression kommt selten aus dem Nichts, sondern kündigt sich über einen längeren Zeitraum an. Anzeichen sind z. B. Veränderungen der Stimmung, eine vermehrte Neigung zum Grübeln und Schlafstörungen. Jedoch sind die Symptome weniger stark ausgeprägt als während einer akuten depressiven Phase.2
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe3 stellt auf ihrer Website eine Liste häufig genannter Frühwarnzeichen zur Verfügung. Dazu gehören unter anderen:

  • Müdigkeit, Erschöpfung, Schlappheit
  • körperliches Unwohlsein
  • Konzentrationsprobleme und verlangsamtes Denken
  • Druck auf der Brust
  • veränderte Trink- und Essgewohnheiten, mehr oder weniger Appetit als gewöhnlich
  • erhöhte Geräuschempfindlichkeit
  • verringerte Aktivität, Teilnahmslosigkeit und Rückzug

Bei diesen Patienten ist das Rückfallrisiko besonders hoch

Neben der Behandlung beeinflussen auch erkrankungs- und patientenbezogenen Faktoren die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall.1 Abbildung 1 zeigt, welche Faktoren zu einem erhöhten Rückfallrisiko beitragen.

Rückfallprophylaxe

Abb. 1: Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs erhöhen (modifiziert nach [1])

 

Wann ist eine Rezidivprophylaxe angezeigt?

Bei Patienten mit einer besonders hohen Rezidivneigung ist eine langfristige Prophylaxe indiziert. Die Behandlung soll in diesem Fall für mindestens 2 Jahre fortgeführt werden, um weitere Rückfälle sowie eine Zuspitzung der Symptomatik zu vermeiden.
Für die Entscheidung, ob eine Rezidivprophylaxe durchgeführt wird, sollte das individuelle Rückfallrisiko aus dem bisherigen Krankheitsverlauf, insbesondere aus dem Verlauf in jüngerer Vergangenheit, abgeleitet werden. Je mehr depressive Episoden ein Patient bereits hatte, je kürzer die Abstände zwischen den Episoden waren und je schwerer der Verlauf war, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Rückfalls.1

Quellen:

  1. DGPPN, BÄK, KBV, AWMF (Hrsg.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression*. S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung, 2. Auflage. Version 5. 2015. DOI:10.6101/AZQ/000364. www.depression.versorgungsleitlinien.de [zuletzt aufgerufen am 06.09.2019].

  2. Sonnenmoser M. Depressionen. Hohes Rückfallrisiko. Deutsches Ärzteblatt 2012; Heft 6.

  3. Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Rückfallprophylaxe. https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/behandlung/rueckfallprophylaxe [zuletzt aufgerufen am 06.09.2012)

Bildquelle: ©istockphoto.com/picture

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