Unipolare Depression & Johanniskraut: Was empfiehlt die Leitlinie? | Laif 900
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Unipolare Depression
& Johanniskraut:
Was empfiehlt die Leitlinie?

Immer mehr Patienten bevorzugen eine pflanzliche Medikation bei Depressionen. Doch obwohl viele Ärzte hochdosiertes Johanniskraut als einen einfachen Einstieg in die medikamentöse Depressions-Therapie sehen, werden synthetische Präparate weitaus häufiger verordnet.1 Wie die S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ dazu steht, erfahren Sie hier.
Lesedauer ca. 2 Minuten

Erster Therapieversuch auch mit Johanniskraut!

Bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden kann gemäß der S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie „Unipolare Depression“ ein erster Therapieversuch auch mit Johanniskraut unternommen werden.2 Wie bei der Behandlung mit chemischen Antidepressiva erfordert eine leitliniengerechte Behandlung mit Phytopharmaka die Beachtung spezifischer Interkationen, Nebenwirkungen sowie eine entsprechende Patientenaufklärung.2

Spezifische Interaktionen: richtig einschätzen

Johanniskraut-Präparate induzieren unter anderem CYP3A4 und können so zu einem beschleunigten Abbau eines CYP3A4-Substrats mit Wirkungsabschwächung führen. Bei der Elimination kooperiert CYP3A4 zudem mit dem Transporter P-Glykoprotein (P-gp), einer im Dünndarm lokalisierten Struktur, die ähnliche Substrate und Inhibitoren und die gleichen Induktoren hat wie das Isoenzym und demzufolge adäquate Arzneimittelinteraktionen bewirken kann3.

Die Mehrzahl der mit Johanniskraut-Extrakten in Zusammenhang gebrachten Wechselwirkungen ist pharmakokinetischer Natur. Vorsicht ist geboten, wenn Patienten auf Medikamente enger therapeutischer Breite angewiesen sind. Deshalb besteht eine strenge Kontraindikation bei Immunsuppressiva (Ciclosporin, Sirolimus, Tacrolimus), Virustatika (Indinavir, Nevirapin) und Zytostatika (Imatinib, Irinotecan) (siehe Abbildung 1 am Beispiel von Laif®900).4

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Abbildung 1: Gegenanzeigen und klinisch relevante Wechselwirkungen am Bsp. von Laif®9004

 

Nebenwirkungen: mit Vorurteilen aufräumen

Eine Photosensibilisierung als mögliche Nebenwirkung wird häufig reflexartig in Zusammenhang mit Johanniskraut genannt – und deutlich überschätzt. Hier gilt es, mit Vorurteilen aufzuräumen. Die S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitline „Unipolare Depression hält dazu fest: „Zur oft erwähnten Phototoxizität existieren nur vereinzelte Berichte.“2 Eine Behandlung mit hochdosiertem Johanniskraut hat sich allgemein als sehr gut verträglich erwiesen.2, 5, 6      

Patientenaufklärung: partizipative Entscheidung

Im Sinne der von der S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ empfohlenen partizipatorischen Entscheidungsfindung fördert die gemeinsame Abwägung der Vor- und Nachteile ALLER verfügbaren Therapieoptionen die Patientenzufriedenheit und führt zu realistischeren Erwartungen hinsichtlich der Behandlung. Die Aufklärung sollte dabei auch die unterschiedlichen Wirkstärken und Zubereitungen freiverkäuflicher Johanniskrautpräparte umfassen.2 Es passiert nicht selten, dass Patienten eigenmächtig erste Therapieversuche mit Präparaten aus dem Supermarkt oder der Drogerie unternehmen – meist erfolglos. Bei diesen Präparaten ist der Wirkstoffgehalt i.d.R. zu gering und die Wirksamkeit nicht belegt.7 Anders bei verschreibungspflichtigen Johanniskrautpräparaten, die als Arzneimittel zugelassen sind. Hier gilt dieselbe Nachweispflicht hinsichtlich pharmazeutischer Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit wie bei chemischen Arzneimitteln.8

Quellen:

  1. DeBeNa-Monitor: Depressionsbehandlung in Deutschland 2018; repräsentative Befragung bei Patienten, Allgemeinmedizinern, Neurologen und Psychiatern, mc markt-consult, Hamburg

  2. DGPPN, BÄK, KBV, AWMF (Hrsg.) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression*. S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression – Langfassung, 2. Auflage. Version 5. 2015. DOI:10.6101/AZQ/000364. www.depression.versorgungsleitlinien.de [zuletzt aufgerufen am 07.02.2019].

  3. Tippmann M. E. Arzneimittelinteraktionen im Praxisalltag. Johanniskraut-Extrakt mit Weitblick verordnen. Neuro aktuell 7/2013.

  4. Laif®900 Fachinformation, Stand: Dez 2018.

  5. Gastpar M et al. Comparative efficacy and safety of a once-daily dosage of hypericum extract STW3-VI and citalopram in patients with moderate depression: a double-blind, randomised, multicentre, placebo-controlled study. Pharmacopsychiatry, 2006; 39: 66-75.

  6. Kresimon J et al. Versorgung von Patienten mit mittelschwerer Depression unter Therapie mit Hypericum-Extrakt STW3-VI im Vergleich zu selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) im Praxisalltag. Gesundh ökon Qual manag, 2012; 17: 198-206.

  7. 20 Johanniskrautpräparate im Test. ÖKO-TEST Februar 2018. Autor: Kai Thomas. Kategorie: Gesundheit und Medikamente.

  8. Expertenforum Medizin & Markt. Die Besonderheiten von pflanzlichen und synthetischen Arzneimitteln im Vergleich. Medical Tribune 2017; 52(4)

Bildquelle: © iStock.com/BrianAJackson

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